HINTERGRUND

Heute schon EUR 40 Mrd - was bringt uns der eCommerce in Zukunft?

Januar 2016 | Nach Berechnungen des Institut für Handelsforschung in Köln ist der Online-Handel in Deutschland 2015 auf EUR 46 Mrd. gewachsen. 2014 hatte er mit 42,8 Milliarden Umsatz erstmals die 40-Milliarden-Euro-Grenze überschrittten. Daraus folgt erneut ein zweistelliges Wachstum, wenn auch nicht ganz so stark wie in den Vorjahren.  2013 lag der Zuwachs im Vergleich zu 2012 bei etwa 14 Prozent.

Der Online-Handel ist inzwischen ein fester Bestandteil im Alltag des deutschen Konsumenten. 2013 betrug der Anteil des Online-Handels am Einzelhandel noch 8,4 Prozent – für 2014 rechnen die Forschungsinstitute mit 9,4 Prozent. Ein Blick auf die Branchen lässt eine klare Dominanz im Fashion & Accessoires Bereich erkennen. So erreichte deren Online-Anteil im Vorjahr bereits 18,9 Prozent. Auch der Elektromarkt (19,8 %), Büro & Schreibwaren (18,3 %) und Freizeit & Hobby (18,4 %) erzielen ähnlich hohe Online-Marktanteile. Im Rückstand hingegen liegen der Lebensmittel- und Drogeriemarkt, hier gibt es noch viel Luft nach oben.

Was für den Ladenbesitzer in der Kleinstadt Existenzängste herbeiführt, hat für den Online-Shopper hingegen nur Vorteile. Ein Benefit hierbei ist ganz klar die Zeitersparnis für den Kunden. In Ruhe von zu Hause aus über verschiedene Preise informieren, kein Gedränge zu Stoßzeiten, keine Öffnungszeiten, die den Zeitpunkt des Einkaufs bestimmen sowie eine größtmögliche Auswahl. Wer würde da nicht den Platz auf dem Sofa vor einer langen Schlange an der Kasse bevorzugen?

Doch wie sehen die Zukunftswünsche der Deutschen aus, ist das Ganze auch wirklich so beliebt beim deutschen Konsumenten wie vermutet?

Laut der Studie „Sicherheit im digitalen Deutschland 2025“ der McAfee hofft über die Hälfte der Deutschen (750 Personen wurden insgesamt befragt) für das Jahr 2025 auf ein Wearable, heißt zum Beispiel eine smarte Uhr, mit der sie den Barcode von Produkten scannen und direkt in einen virtuellen Warenkorb legen können. Ferner gehen die Befragten davon aus, dass sie in zehn Jahren fast doppelt so viele digitale Geräte nutzen werden wie heute: 4,7 im Durchschnitt statt 2,7 aktuell. Die meistverbreiteten Geräte sollen demnach Smartphones (80 Prozent), Tablets (70 Prozent) und Wearables (65 Prozent) sein, sind sich die Deutschen sicher.

Zudem vermutet etwa ein Drittel der Befragten, dass bestellte Waren im Jahr 2025 innerhalb einer Stunde geliefert werden können. Außerdem glauben 14 Prozent an eine Zustellung per Drohne.

Auch der Bezahlvorgang wird sich nach der Ansicht der Studienteilnehmer ändern. In Zukunft sollen die Rechnungen mit Fingerabdruck beglichen werden, so 37% der Befragten. Laut McAfee gehen 23 Prozent von einer Bezahlung per Smartphone aus, ebenfalls 23 Prozent rechnen damit, in zehn Jahren mit einem Gerät zu bezahlen, dass heute noch nicht existiert.

Aber auch die Sicherheit spielt in der digitalen Welt zukünftig eine wichtige Rolle.  Etwa zwei Drittel wünschen sich, dass sie ihre Online-Identität in zehn Jahren einfacher verwalten können. Single-Sign-On ist hier ein Schlagwort.

Dennoch lohnt sich auch ein Blick in die „Offline-Welt“, wie wird es mit den „Offline-Stores“ zukünftig weitergehen?

In den Großstädten ist die Umsatzabwanderung ins Netz aktuell noch überbrückbar, doch wie sieht es mit den Geschäften in kleineren Städten aus? Werden in absehbarer Zeit Geisterstädte mit zahlreichen leerstehenden Einzelhandelsflächen entstehen? Insgesamt braucht der Online-Handel auf Grund einer Virtualisierung des Sortiments sehr viel weniger Flächen. Im Gegenzug dazu wird der Bedarf an Logistik-Immobilien ( z.B.Lager oder Kommissionierzentren) steigen, hauptsächlich in den verkehrsgünstig gelegenen Umgebungen der Metropolen, um kurze Lieferzeiten zu gewährleisten.

Handel und BIP Grafik HDE

Der Einzelhandel machte 2013 16,2% vom Bruttoinlandsprodukt. Quelle. HDE 2014

 

Laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gehörten im Mai 2014 über 99% der Unternehmen in Deutschland zum Mittelstand. Mittelständische Händler sind vom Internet am stärksten betroffen. Sie können die nötigen Investitionen in die neuen Technologien kaum alleine stemmen. Vor allem Unternehmen, die auf der Suche nach einem Nachfolger sind, können sich Investitionen sowie Innovationen kaum leisten. Wenn demnach tausende Unternehmen in den kommenden Jahren um eine Übernahme bemüht sein werden, werden einige davon nicht mehr zu veräußern sein. Hier ergeben sich unter Umständen auch Versorgungslücken bei der Altersvorsorge, wenn z.B. Firmenwerte und Immobilien als Altersvorsorge eingeplant waren.

Zudem wird wird im Einzelhandel die Beratung immer aufwendiger, da die Kunden immer informierter werden. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Forsa fühlen sich 59% der Befragten schlecht oder unzureichend beraten. Diese Mitarbeiter müssen in Zukunft eng mit der „Maschine Internet“ zusammenarbeiten. Neue Beratungsinhalte müssen auf die Webseite gebracht werden, neue Trends aus dem Netz im Laden umgesetzt werden und Kunden müssen auf ihrem Weg durch die verschiedenen Verkaufskanäle begleitet werden. Der Einzelhandel beschäftigte in Deutschland im Juli 2014 160000  Auszubildende, vorrangig als Einzelhandel-Kaufmann / Kauffrau (Handelsverband Deutschland). Das weltweit gefeierte System der Dualen Ausbildung darf hierauf nicht zu starr reagieren. Medienkompetenz und Internetrecht gehören in Zukunft genauso zum Verkaufen wie heute die Warenkunde oder das Rechnungswesen. Hier gilt es die Kompetenzen junger Menschen zu nutzen und andererseits die multi-medialen Inhalte in Aus- und Weiterbildung zu integrieren.

Was tun? Wie begegnet man diesen Entwicklungen schon heute – also nicht gerade „frühzeitig“, aber immerhin nach dem Motto „besser spät als nie“? Wie sehen die Möglichkeiten für Ihr Unternehmen aus? Für Sie als Händler? Was ist realistisch, was mit geringen Mitteln sofort zu machen? Darauf können wir gemeinsam Antworten finden: Schreiben Sie mir an henke@henke-scm.de.